UMLOG: 07 - ORT & UMGEBUNG
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07 - ORT & UMGEBUNG

Mittwoch, 2. September 2009

SECHS JAHRE BLEIMÜTZE

Wuppertal hat gewählt. Oder auch nicht.
Zur Strafe gibt's Bleimütze. Nicht unter sechs Jahren. von um3000

Wir sind ja Wessis. Deshalb wissen wir es natürlich nicht so genau. Aber irgendwie so muss es sich doch angefühlt haben, drüben, so nach den Kommunalwahlen im August, September von zwanzig Jahren, oder? Stillstand. Perspektivlosigkeit. Leere Parolen und Durchhaltephrasen. Oder? Einseitige und unvollständige Berichterstattung der Presse, scheinbare Zustimmung der Bevölkerung obschon doch alle wissen, dass die Dinge nicht gut stehen, vorhersehbare Wahlausgänge. Oder?

Jetzt haben wir wieder Bleimütze. Aus Küllenhahn. Bleimütze wird die ehemals grosse Stadt sechs weitere Jahre lang auf sein geliebtes H0-Format-Idyll eindampfen können. Bleimütze wird weiter omnipräsent und ceaușescuesk aus jedem zweiten Foto der Lokalpresse herausgrinsen. Beim Karneval. Beim Wandern. Mit Kindern. Mit Alten. Mit Partei-Urgesteinen. Selbst dann, wenn es sich dabei gar nicht um Urgesteine seiner Bleimützen-Partei, sondern um welche der konkurrierenden Korrumpel-Partei handelt. Bleimütze wird weiter so tun können, als ob er sich für die Belange der Stadt einsetzte, und uns einzureden versuchen, er riskiere eine dicke Lippe bei der "Macht", die er "hinter sich weiss", um irgendeine kommunale Fähigkeit des Handelns wiederherzustellen. Dabei tut er dann so, als wäre es nicht gerade seine "Macht" - ...die Bleimütze hinter sich weiss... - die seit Jahren systematisch kommunale Handlungsspielräume aushöhlt, zerbröselt und plattwalzt, damit die Blei- und Mützenwirtschaft sich das Allgemeinvermögen der Städter im Zuge von Privatisierungen unter den Nagel reissen kann.

Bleimütze wird weiter kommunale Ordnungsdienste und die Polizei einsetzen, um sich seine kleine Märklin-Welt nicht von urbanen Randfiguren verschandeln lassen, und er wird jetzt verkünden, was er vor der Wahl nicht wusste, nun aber weiss, nämlich dass es ab jetzt gar nix mehr für solche gibt. Für die anderen aber auch nicht. Kurz - er wird sein umfassendes Zerstörungswerk fortsetzen und vollenden, garniert mit einer unerträglichen Bigotterie und Schmierigkeit. Er wird auf uns lasten und Kopfschmerzen verursachen wie eine... Bleimütze eben.

Weiter geht's damit, Stadträume zu privatisieren, auf dass nur noch Kunden sich in ihnen aufhalten dürfen, weiter geht's damit, Dinge die mal allen gehörten, an Konzerne zu verhökern, damit mit den Verkaufserlösen deren Komplizen ästhetische Katastrophen auf Plätze und in freie Flächen bauen können, und weiter geht's mit dem tollen Plan, Wuppertal zum deutschlandweiten Knast-Kompetenzzentrum zu machen. Das ist sowieso die beste Idee von allen, die Bleimütze vertritt. Man muss nur die Synergieeffekte zu nutzen wissen. Falls mal jemand aufmuckt.

Aber jetzt mal im Ernst: Wie kann es sein, dass in einer Stadt, die mittlerweile zu den Armenhäusern des Landes gehört - allgemein ja sowieso, und was die persönlichen Insolvenzen betrifft ebenfalls - und deren steter Niedergang mittlerweile selbst den Scheuklappenhändlern aus dem Verlagshaus am Otto-Haussmann-Ring aufgefallen ist, während die agierenden Lokal-Politiker sich hauptsächlich durch geheime und riskante Cross-Border-Lasingverträge, verheimlichte Listen beabsichtigter Einsparungen oder platteste Korruption auszeichnen, nach einer Wahl alles so ist, wie vor der Wahl? Wie lässt sich an einem solchen Ort ein Kommunal-Wahlergebnis von 98,85% Zustimmung erklären? Ups. Schuldschung. Das war ja jetzt wieder die andere...

Schon klar. Das läuft hier anders ab. Etwa durch simples Verschweigen von Alternativen in der Lokalpresse. Durch vorgeblich alternativlose Politikentscheidungen im Vorfeld. Durch das fröhliche Befördern resignativer Grundhaltungen. Da ist das im Vergleich etwas unelegante Fälschen von Ergebnissen dann gar nicht mehr nötig. Die Leute machen freiwillig, was erwünscht ist, auch wenn sie eigentlich gegen einen teuren Ausbau einer zentralen Kreuzung oder einen neuen Jugendknast im Naherholungsgebiet sind. Deswegen werden noch lange nicht die gewählt, die es anprangern, dass Teile der Stadtwerke verkauft werden, um den Döppersberg zu finanzieren oder dass dafür auch noch Förderungen von Kiezen und Initiativen gestrichen werden müssen. Sie wählen besinnungslos die lokale Einfalts-Front, oder sie wählen gar nicht.

Selbst schuld. Die meisten verdienen nichts anderes als Bleimütze. Und die anderen? Machen eben das, was die drüben auch gemacht haben. Weggehen. Obwohl da niemand ist, der ihnen Begrüssungsgeld zahlt. So betrachtet, braucht diese Stadt erst Recht kein repräsentatives Entrée am Döppersberg, sondern nur einen vernünftigen Ausgang.

Link des Artikels: http://um3000.twoday.net/stories/5917507/
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Mittwoch, 1. Juli 2009

MOONWALK? TANZ DIE PINA BAUSCH!

Es wäre eine angemessen spannende Begegnung von weltweit trauernden Menschen, träfen Massen von Michael Jackson-Kopien auf die vielen Fans der "Göttin des Tanzes", um den Verlust ihrer Ikonen gemeinsam tanzend zu bewältigen. Die dabei entstehenden Bilder würden der Kritik sicherlich gefallen, die uns heute und in den nächsten Tagen jede Menge vorproduzierter Nachrufe auf die Wuppertaler Choreographin vorsetzen wird. Bis dann das Thema für die Feuilletonschreiber der bürgerlichen Presse abgehakt, und die nächste Sau ausgemacht sein wird, die sie durch ihren feingeistigen Blätterwald treiben können.

Nicht allzu schnell werden die Bewohner Wuppertals den Tod der Chefin des Tanztheaters, jener "strengen bergischen Frau" (Zitat: 500 Beine), abhaken können. Viel zu gross ist die Lücke, die sie künstlerisch hinterlässt und zu schwer die erlittene Verwundung der urbanen Seele dieser Stadt, um schon bald zur Tagesordnung übergehen zu können.

Damit ist nicht in erster Linie der Verlust an Reputation gemeint, der nun die, kulturell nicht gerade schwergewichtige, Stadt an der Wupper ereilen wird. Das, unmittelbar nach Bekanntwerden ihres Todes eingesetzte Begreinen des Bedeutungsverlustes der Stadt kann getrost dem Wuppertaler OB Peter Jung überlassen werden, dessen echte Bestürzung über den Verlust einer so gerne wie entlarvend als "Aushängeschild" bezeichneten Künstlerin gut im TV-Interview zu sehen war.

Viel mehr wird den Bewohnern der Stadt die künstlerisch teils wundersame Überhöhung ihres eher tristen Alltagsseins in einer "Werktagsstadt" (Zitat Pina Bausch) abhanden kommen, von der auch jene, die in ihrem Leben niemals die Spielstätten des Wuppertaler Tanztheaters betreten haben, zehrten. Das Ensemble des Wuppertaler Tanztheaters hat mit seinen Inszenierungen in Permanenz nachgewiesen, dass auch inmitten von Leucht-Grau und mit einer global vorkonfektionierten Fastfood-Station als unmittelbarem Nachbarn, Bilder von übergrosser Schönheit und Intensität entstehen können.

Auch, wenn viele bergische Querschädel das, was im Opernhaus, bzw. Schauspielhaus stattfand, nur vom Hörensagen kannten und erst nach internationalem Jubel die Qualität dessen zu würdigen begannen, war die Identifikation mit den rezipierten Themen der Pina Bausch hoch. Ging es nicht auch im Alltag zwischen Lidl und ALDI, zwischen ARGE und Ein-Euro-Job um eigentlich andere, existenziellere Fragen des Daseins? Erinnerte das Bauschsche Tanztheater - auch durch die internationalen Kooperationen mit Künstlern aus Orten, in denen das Leben oft noch schwerer fällt als im Tal der Wupper - nicht immer wieder daran, dass es vor allem die eigenen Handlungen im Feld der Liebe, der Zuneigung, der Trauer oder auch der Konflikte mit Machtstrukturen sind, die letztlich über den Grad des Glücks entscheiden? Was bedeutete das für die Wahrnehmung dieser Stadt als Lebensraum? Wenn das Berlin Wowereits "arm aber sexy" ist, was war dann das Wuppertal der Bausch? Arm aber intensiv?

Das Beharren Pina Bauschs darauf, ihrer Arbeit in Wuppertal, (ausgerechnet in Wuppertal !), nachzugehen, war etwas, dass die Bewohner der Stadt stolz gemacht hat. In einer Stadt, die Viele verlassen, war das Bleiben einer Künstlerin, die jeden Ort der Welt hätte auswählen können, um unter ungleich mondäneren und luxuriöseren Bedingungen ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen, gleich mehrfach bedeutsam. Weil es als Ausweis dafür verstanden wurde, dass sich ein Bleiben und erfolgreiches Arbeiten nicht ausschliessen müssen - dass die Stadt also nicht zwingend eher Mittelmässiges hervorbringen muss. Und auch, weil sich die Wuppertaler über das Tanztheater kollektiv selber einen offenen Geist zuschreiben lassen konnten, den sie in Wahrheit häufig gar nicht hatten - zumindest nicht am Anfang.

Doch die anfängliche, ignorante Verstörung der Besucher ihres Tanztheaters ist mit der Zeit tatsächlich einem ehrlichen Respekt gewichen. Sie haben die Provokateurin einfach irgendwann für sich vereinnahmt, die einen mehr still und lernend - die anderen aus Gründen des Marketings.

Aber Pina Bausch hat sich nie wirklich vereinnahmen lassen. Auch das wichtig für die oben erwähnte urbane Seele, die in Wuppertal - vielleicht mehr noch als anderswo - peinlich darauf achtet, ob jemand abhebt oder sich zurückzieht, wenn der grosse Ruhm kommt. Nie hat sich um die Choreographin und ihre Kompagnie eine elitäre Szene etabliert, die abseits der Stadt in einer eigenen Sphäre lebte. Im Gegenteil - Pina Bausch hat Generationen von Tänzern aus aller Welt zu den Leuten der Stadt gebracht - in viele Veranstaltungen anderer Künstler, in das Alltagsleben und auch in die Kneipen und Bars. Mancher Ort, wie beispielsweise das frühe Café du Congo im Luisenviertel am Beginn seines Daseins als "kleine Altstadt" Elberfelds vor dreissig Jahren, oder das Café ADA heute, wäre ohne das Tanztheater Pina Bauschs nur schwer vorstellbar. Ideell, oder, wie beim Kampf um den Erhalt des ADA, auch ganz konkret.

Dabei sind auch viele Freundschaften entstanden, und vielfältige, enge internationale Vernetzungen. Und die Tatsache, dass alle einige kennen, die ganz persönlich geschockt sind über den Verlust des Menschen Pina Bausch, macht ihren Tod schwer fassbar. Die Situation erinnert an eine Katastrophe, von der um einen herum zuviele Menschen direkt betroffen sind.

In den mehr als dreissig Jahren, in denen Pina Bausch Wuppertals Kulturszene geprägt hat, sind abertausende ganz persönlicher Geschichten und Episoden entstanden. Sie alle wabern derzeit durch die schwüle Sommerhitze - egal, wo man sich in Wuppertal gerade aufhält. Man stelle sich vor, Pina Bausch könnte noch aus diesem riesigen Fundus an Szenen und Bildern schöpfen - sie wäre in der Lage, sie auf der Bühne nachvollziehbar umzusetzen.

Pina Bausch hat der Welt eine neue Definition von Tanz gegeben und Wuppertal eine Form von Würde. Es wäre zu wünschen, es ergäbe sich für die Bewohner der Stadt eine Möglichkeit, von Pina Bausch Abschied zu nehmen, indem sie ihr einen letzten Vorhang bereiten, der ihrer Bedeutung für die Menschen in Wuppertal angemessen ist. Es würden sicherlich sehr viele kommen, sie war schliesslich eine von uns.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei TUNN:EL erschienen.

Link des Artikels: http://um3000.twoday.net/stories/5797212/
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Mittwoch, 10. Juni 2009

HOODZ 2 LIVE

Europawahlergebnisse Elberfelder Nordstadt, Wuppertal:

Charlottenstrasse, Dorotheenstrasse, Gertrudenstrasse, Hedwigstrasse, Marienstrasse, Ottenbrucher Strasse, Schneiderstrasse, Otto-Böhne-Platz, Sattlerstrasse, Wülfrather Strasse, Schusterplatz, Schusterstrasse, Wirkerstrasse, Oskar-Hoffmann-Treppe.

• GRÜNE 37,44
• SPD 20,45
• LINKE 16,64
• CDU 11,79
• ANDERE 8,83
• FDP 4,85


Alemannenstrasse, Auguststrasse, Brüderstrasse, Gathe, Georgstrasse, Gerberstrasse, Heinrichstrasse, Helene-Weber-Platz, Hochstrasse, Markomannenstrasse, Lederstrasse, Ludwigstrasse, Neue Friedrichstrasse, Neue Nordstrasse, Nordstrasse, Höchsten, Wiesenstrasse.

• SPD 27,69
• GRÜNE 25,27
• LINKE 14,78
• CDU 14,52
• FDP 9,41
• ANDERE 8,33


Baumeisterstrasse, Brunnenstrasse, Charlottenstrasse, Charlottenstrasse, Hochstrasse, Hufschmiedstrasse, Küferstrasse, Marienstrasse, Sattlerstrasse, Schreinerstrasse, Wirkerstrasse, Wülfrather Strasse.

• GRÜNE 35,34
• SPD 25,00
• LINKE 14,18
• CDU 10,38
• ANDERE 8,16
• FDP 6,49


Alemannenstrasse, Bandstrasse, Bildhauerstrasse, Hochstrasse, Höchsten, Kleine Bandstrasse, Malerstrasse, Unterer Dorrenberg, Wiesenstrasse, Wüstenhofer Strasse.

• SPD 31,08
• GRÜNE 28,29
• LINKE 12,75
• CDU 10,76
• ANDERE 10,36
• FDP 6,76


Am Kasinogarten, Bergstrasse, Ekkehardstrasse, Genügsamkeitstrasse, Gertrudenstrasse, Grünewalder Berg, Hochstrasse, Hombüchel, Josefstrasse, Kleine Klotzbahn, Klotzbahn, Kochsgasse, Krugmannsgasse, Luisenstrasse, Oskar-Hoffmann-Treppe, Ottenbrucher Strasse, Reitbahnstrasse, Reiterstrasse, Plateniusstrasse, Schusterstrasse, Tippen-Tappen-Tönchen, Zimmerstrasse.

• GRÜNE 31,66
• CDU 21,00
• SPD 20,06
• LINKE 13,79
• FDP 8,47
• ANDERE 5,02


Quelle: Wahlergebnisse in Wuppertal

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Montag, 21. Juli 2008

FLIMMERN UND REGEN IM TAL

Regen in Rom

Open-Air-Kino und Wuppertal scheinen sich ausschliessende Gegensätze. So auch in diesem Sommer. Unverdrossen jedoch haben die alten Aktivisten von TALflimmern ihre Freiluftprojektionen auch dieses Jahr wieder im Hof der "Alten Feuerwache" an der Gathe an den Start gebracht. Übrig sind - bis zum 24.08. - jetzt noch 20 Abende mit ausgesucht anspruchsvollen Filmen, (jeweils von Donnerstag bis Sonntag), die man sich notfalls auch unter der notorischen Regenschutzplane in pittoreskem Ambiente ansehen kann.

Das Programm scheint auf den ersten Blick in diesem Jahr doch etwas sehr poetisch ausgewählt, es überwiegen Nabelschauen auf Familie, Lebenswege, Liebeswirren und Metaphysisches. Quasi eine Rückkehr des, gerne auch zähen, Autorenkinos bleierner Jahre also - jedoch ohne dessen politischen Anspruch. Politisches oder düsteres Kino muss man im Programm dagegen eher mit der Lupe suchen. Ausnahmen von der Regel sind sicherlich "Lenin kam nur bis Lüdenscheid"(2008) (am 31.07.), eine kleine Heimatgeschichte aus der 68er-Hausapotheke im Nachbardorf Solingen; "Control"(2007), Anton Corbijns eindrucksvoller Trip in Joy Divisions - speziell ihres Saengers Ian Curtis' - Manchester der späten Siebziger, unmittelbar bevor Maggie Thatcher die englische Arbeiterbewegung zerlegte, (am 14.08.), und "Tödliche Entscheidung"(2007) ("Before the Devil Knows You're Dead") in dem Altmeister Sydney Lumet die Abgründe der weissen Ami-Mittelschicht offenbart und eine ganze Familie in die Apokalypse treibt. (Am vorletzten Projektionstag, Samstag, 23.08.)

Der Vorverkauf für alle Filme wird im "Café Sila" abgewickelt, bei dem nach erfolgtem Pächterwechsel spannend sein wird, zu beobachten, ob immer noch pünktlich kurz vor Vorstellungsende die Bierhähne abmontiert werden. Vorbestellungen für Tickets können am Kinotelefon unter 0202 40 86 99 00 lanciert werden.

Für die Marks das hier zum Trotz - It always rains in Wuppertal (vom Pyrolator)


Der Soundtrack zum Artikel


Credits: Das tolle Foto aus dem verregneten Rom kommt von argo_72, und steht unter einer creative commons-Lizenz.

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Donnerstag, 26. Juni 2008

WUPPERTAL - 25.06.2008

Vor den Halbfinals. Wuppertal-Elberfeld, 25/06/2008 - Innenstadt
Fahne im Fenster


Der Soundtrack zum Bild

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Montag, 10. September 2007

erich's in da house !

Gestern vor zwanzig Jahren war Erich Honecker in der Stadt. Ein kurzer Rückblick.

Honecker

Erich Honecker, 1912-1994.
Eintritt in die KPD 1930, 1935 Festnahme durch die GESTAPO, danach Inhaftierung bis Kriegsende, Befreiung durch die Rote Armee. Ab 1946 Parteivorstand der SED, 1949 Mitglied des ZK der SED. Vollmitglied des Politbüros der SED und Sekretär des ZK ab 1958. Vor August 1961 u.A. mit den Vorbereitungen zum Bau des antifaschistischen Schutzwalls befasst. Ab 1971 Nachfolger von Walter Ulbricht als 1.Sekretär des ZK der SED und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. Von 1976-1989 Generalsekretär der SED, anschliessend Exil in Chile. Am 29.05.1994 in Santiago de Chile gestorben.

Am 09.09.1987 besuchte Erich Honecker die lange, schmale, seltsame Aktivistenstadt im Rahmen seines Staatsbesuches der BRD. Vor dem Ende des real ausprobierten Sozialismus gehörte die Heimatstadt des frühen Aktionisten Friedrich Engels zum Pfichtprogramm vieler offizieller sozialistischer Gäste.

Das bis heute als Museum betriebene "Engelshaus" - eines von mehreren Gebäuden der Familie in der Stadt - und die davor aufgestellte acht Tonnen schwere Marmor-Skulptur des Wiener Bildhauers Alfred Hrdlicka, die die Befreiung der ausgebeuteten Arbeiterschaft symbolisiert, waren beliebte Abstecher im oft freudlosen Besuchsalltag diverser Delegationen der verschiedensten Bruderländer. Vorbei. Heute kommt kaum noch jemand. Man sollte mal in Trier fragen, wie's denen damit geht...

Von Erichs Besuch in der frühindustriellen Metropole blieb seinerzeit nicht viel mehr, als ein seltsamer Teerweg, quer durch die Rabatten, auf dem die Besuchs-Kolonne schnellstmöglich wenden konnte. "Honeckers Wendeschleife", auf die - sehr zu seinem Missfallen - nur zwei Jahre später schliesslich sein ganzes Land geriet, blieb der Stadt noch einige Jahre erhalten. Sie diente lange als Stellfläche für solid-schicke 70er-Waschbetonkübel mit vertrockneten Zierpflanzen und erinnerte so, designtechnisch durchaus stilsicher, an jenen "historischen Moment".

Das allgemeine Medieninteresse während des Staatsbesuches in W-Tal galt damals hingegen weniger der DDR-Delegation, als vielmehr der peinlichen Promo-Aktion Udo Lindenbergs, der dem gequält lächelnden alten Mann Honecker während seiner Visite im Bergischen eine Elektro-Gitarre schenkte.

(Udo Lindenberg) "Als Symbol unserer gemeinsamen Friedensbemühungen habe ich Ihnen eine Gitarre mitgebracht, mit einem Slogan drauf, der Slogan heißt: 'Gitarren statt Knarren, für eine atomwaffenfreie Welt im Jahr 2000.' Die Gitarre möchte ich Ihnen, lieber Erich Honecker, überreichen."

(Erich Honecker) "Danke, Gitarren statt Knarren, sehr richtig, weiterhin viel Erfolg und auf Wiedersehen in der Deutschen Demokratischen Republik."


Dass es dazu kommen konnte, überrascht noch heute. War doch der ganze Staatsbesuch eine extrem verkrampfte Angelegenheit und ziemlich umstritten gewesen, weswegen er von den Stellen der DDR im Vorfeld auch gewohnt locker und spontanistisch vorbereitet worden war. Sogar der Eintrag ins Gästebuch des Engels-Museums wurde vorab eingedruckt, wie uns die Lokalpresse zum Wochenende verriet.

"Engels Werk ist in der Deutschen Demokratischen Republik Wirklichkeit und lebt in unserem Wirken für einen sicheren Frieden in der Welt und für das Wohl und das Glück der Menschen in unserem sozialistischen deutschen Staat fort." Hugh!

Nach wenigen Stunden war der "historische Besuch" am historischen Engels-Zentrum gelaufen. Die DDR-Besucher eilten weiter. Ihre Mission waren die Festigung der "gegenseitigen Anerkennung" durch Pomp and Circumstances, Gefeilsche mit dem dicken König um eine endgültige Grenzziehung in der Elbmitte und Besichtigungstouren westdeutscher Industrieunternehmen, die den Staatsgast auch gerne hofierten und durch ihre Konzernzentralen führten. Schliesslich hatte der klamme deutsche Staat östlich der Elbe durch Westkredite wieder Möglichkeiten. Etwas, woran sich wenige Jahre später, als man den anerkannten Staatsgast von September 87 ins chilenische Exil abschob, niemand mehr erinnern wollte.

Zum politischen Hintergrund des Staatsbesuches Erich Honeckers in der BRD sind am Wochenende zwei Beiträge in der jungen Welt erschienen. Eine Einordnung des Besuches von Franz Dieffenbach, und ein Interview mit dem damaligen Leiter der Abteilung BRD im DDR-Aussenministerium, Karl Seidel.

tags: Honecker, Lindenberg, Wuppertal, Engels-Haus, Ostblock

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Freitag, 6. Juli 2007

zu diesem bild [10]

teddyplakat

I came into this game for the action, the excitement. Go anywhere,
travel light, get in, get out, wherever there's trouble, a man alone.

[Harry Turtle in 'Brazil']

Das Bild entstand im Sommer 2002 am Fuss einer der vielen W-Taler Verbindungstreppen. Es zeigt ein Plakat des örtlichen Filmprojektes für Jugendliche, das stadtweit für sommerliche Melancholie sorgte.

© Foto: um3000

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Samstag, 30. Juni 2007

zu diesem bild [6]

modefriseur

Alles ist eine Modesache: Gottesfurcht ist eine Modesache
und die Liebe und die Krinoline und ein Ring in der Nase.

[Søren Kierkegaard]

Das Bild zeigt ein Ladenlokal in einem der traditionell urbanistischen Arbeiter -Quartiere W-Tals. Es wurde während eines Fusswegs an einem verregneten Tag aufgenommen.

© Foto: um3000

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Freitag, 29. Juni 2007

zu diesem bild [4]

krankheit/waffe

Wir schaffen die Gesetze für unsere eigenen Domänen.
[Hakim Bey]

Die Krankheit zur Waffe machen!
[anonym]

Das Bild zeigt ein Tag gegenüber eines W-taler Schwesternwohnheims bei einem Innenstadthospital. Der Slogan gehört leider zur Abteilung 'Parolen vergangener Tage'. Unberechtigt. In Zeiten einer General -Lobotomie der Gesamtbevölkerung erscheint er, ganz im Gegenteil, zunehmend aktuell.

P.S. Kann sein, dieses Log widmet sich noch ausführlicher dem Thema. Eventuell gibt es demnächst auch den ein oder anderen Track der Noisepioniere S.P.K. (Sozialistisches Patienten Kollektiv) zum gefälligen Download - so sich das Old-School -Vinyl in diese Kiste friemeln laesst.

© Foto: um3000

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zu diesem bild [3]

henkel ddorf

I am putting myself to the fullest possible use,
which is all I think that any conscious entity can ever hope to do.

[HAL 9000 in '2001']

Aufgegebene, alte Industriehalle in der Umlaufbahn der Henkel Seifenküche in D-Dorf. "I'm afraid. I'm afraid, Dave. Dave, my mind is going. I can feel it. I can feel it. My mind is going. There is no question about it. I can feel it. I can feel it. I can feel it. I'm a... fraid..."

© Foto: um3000

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